„100 Jahre kleiner Saftladen“

die Obstkelterei van Nahmen aus dem Rheinland

 

Die Anfänge unter dem Einfluss des ersten Weltkriegs

Unternehmenslust, das zieht sich bei den van Nahmens durch alle vier Generationen. 1917 wurde das Unternehmen als rheinische Apfelkrautfabrik gegründet. Die Menschen hungerten, das Ende des Ersten Weltkriegs war nicht absehbar. Am Anfang stand ein ländlicher Betrieb eines jungen Kaufmanns namens Wilhelm (I.) van Nahmen, der Apfelkraut herstellte. In einer Zeit des Hungers und der Not ergriff der junge und offensichtlich umtriebige Unternehmer seine Chance. Das Rheinische Apfel- und Rübenkraut war ein gefragtes Produkt, nahrhaft und energiereich und wie geschaffen für die darbende Bevölkerung.

Bereits 13 Jahre später, im Herbst 1930 trat Wilhelms Sohn Wilhelm (II.) van Nahmen auf den Plan. Der 19 Jahre junge Wilhelm startete ebenfalls mit unternehmerischer Weitsicht und Mut zu Neuem. Er ließ sich nicht von den harten Zeiten des Zweiten Weltkriegs, in dem erneut die Krautherstellung eine wichtige Rolle spielte, aufhalten. Mit ihm begann die Herstellung von Obstsäften, zunächst als Lohnmosterei. Diese Dienstleistung ist auch heute noch gefragt. So lassen Obstwiesenbesitzer vom Niederrhein und dem angrenzenden Münsterland ihre Äpfel im Lohn zu Saft vermosten.

Nach dem Krieg standen Zeichen auf Saft

Die Quantität wuchs, aber die Qualität durch die schonende Herstellungsweise stimmte unverändert. Wilhelm van Nahmen konzentrierte sich fortan darauf, Säfte aus regionalem Obst herzustellen. Apfelsaft, Birnensaft und Roter Johannisbeernektar gehören zu den Anfängen der van Nahmen Saftproduktion.

Die dritte Generation übernimmt die Verantwortung

1990 erfolgte der nächste Generationswechsel. Der älteste Sohn Rainer van Nahmen übernahm die Leitung der Privatkelterei. Neue Ideen trafen auf alte Erfahrungen, und wenn ein „Chef“ abgeben muss, ist das nicht einfach. Wilhelm van Nahmen, der am 20.12.1995 84-jährig starb, war da schon 79 Jahre alt. Rainer van Nahmen erfand den Saft von Streuobstwiesen, der in die Zeit erwachenden umweltpolitischen Bewusstseins passte. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte ihn darauf gebracht, als immer mehr Streuobstwiesen drohten zu verschwinden. Seit 1994 werden in van Nahmens Presse Äpfel von Hochstamm-Obstwiesen separat gekeltert und als „Apfelsaft von Streuobstwiesen“ abgefüllt. Ein Premium-Produkt mit dem besonderen Aroma entstand. Damit verbindet er gekonnt die beiden Säulen Ökologie und Ökonomie. Die Äpfel, die für diesen Saft verwendet werden, sind allesamt naturbelassen. Der schmackhafte Premium-Saft, der aus besonders geschmacksintensiven alten Sorten hergestellt ist, ist bis heute ein Markenzeichen des „Kleinen Saftladens“ aus Hamminkeln.

Natürlich ungespritzte Früchte, keine künstliche Düngung, alte Sorten, separate Pressung, optimales Verhältnis von Säure und Zucker, handwerkliches Verfahren und die gesondert beworbene Produktlinie, das macht diesen besonderen Apfelsaft aus. Der "Kleine Saftladen" van Nahmen war eine der ersten Keltereien, die das Prinzip "Streuobstwiese" konsequent verfolgten und auch heute noch im Fokus haben. Heute gibt es über 200 Anbauverträge mit Streuobstwiesenbesitzern. Die Idee hat sich damit langfristig als tragfähig erwiesen.

Auch die vierte Generation bringt frischen Wind

2005 stieg der promovierte Betriebswirtschaftler Peter van Nahmen als Geschäftsführer neben seinem Vater Rainer in den Betrieb ein. Vater Rainers erfahrener Rat ist weiter gefragt, während Peter van Nahmen die Geschicke heute lenkt. Die beiden sind ein eingespieltes Team.

Der Geschäftsführer in vierter Generation hat eine neue Nische entdeckt und erfolgreich besetzt. Er hat als erster sortenreine Obstsäfte in die Produktpalette aufgenommen und forcierte die Idee „Saft als Genuss“. Es zeigte sich, dass die exklusiven sortenreinen Geschmacksrichtungen ankamen. Das Interesse wuchs, ebenso die Bereitschaft der Kunden, für Premiumqualität zu zahlen.

Apfel ist nicht nur Apfel und Saft nicht nur Saft, sondern kann auch Emotionen wecken. Die Rote Sternrenette zum Beispiel, Sie war früher der Weihnachtsapfel und lag in seiner prallen Röte auf vielen Festtagstellern. „Das weckte auch Emotionen“, sagt van Nahmen. Der Weihnachtsapfel machte 2007 Karriere bei van Nahmen. Erstmals puren Saft aus der Roten Sternenrenette zu pressen war ein wichtiger Meilenstein für die Firmengeschichte. Der zimtartige Charakter der Frucht war bekannt und beliebt und half der Saftidee anzukommen. Das süße Früchtchen vom Niederrhein, in limitierter Auflage abgefüllt in genau 7409 Gourmet-Flaschen, zog in die Welt, um die Feinschmecker zu betören.

Wie bei Weinen schmeckt man bei guten Säften auch eine unglaubliche Fülle an Aromen Die Entwicklung hin zum Premium-Hersteller mit den edlen, schlanken Flaschen in unverwechselbarer Optik, die mittlerweile überall in der Republik zu haben sind, war ein langer Weg. Und ist und bleibt die Erfolgsgeschichte eines bodenständigen Unternehmens, ebenso heimatverbunden wie weltoffen.

Konstante Innovationskraft

Drei Sorten von Frucht-Seccos wurden nach fünfjähriger Entwicklung zuletzt auf den Markt gebracht: Apfel-Quitte, Traube und Apfel-Johannisbeere-Himbeere. Fruchtig, mild und trocken. Und 100 Prozent Frucht und damit ein anderer Ansatz als andere Anbieter. Es bleibt spannend im Hause van Nahmen und das Jahr 2017 mit dem 100-jähirgen Firmenjubiläum ist dabei ein ganz besonderes! Auch in Zukunft sind innovative Produkte zu erwarten.